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Mehr Fett für Herz und Kreislauf

Bekommt, wer viel Fett isst, eher einen Herz- oder Hirninfarkt?

Die vorherrschende Meinung ist eindeutig: Natürlich zu ungunsten der Fette.
Das war allerdings immer umstritten. Die DGE hatte deshalb im Jahr 2005/2006 eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um die Fragestellung systematisch zu untersuchen. Deren Ergebnis erstaunt. In der Endfassung ihrer Fettleitlinie bescheinigt die DGE zum ersten Mal, dass es keine handfesten Belege dafür gibt, dass die Höhe der Fettzufuhr das Risiko für die Entwicklung von Herz oder Herzinfarkt beeinflusst. Man fand nicht den geringsten Beweis dafür, dass mehr Fett auf dem Teller das Herz-Kreislauf-Risiko erhöht.

Tue Gutes und rede darüber

Sogar das Urteil über die gesättigten Fettsäuren fiel für die DGE-Verhältnisse revolutionär aus: Gesättigte Fettsäuren sind kein Risiko für Herzinfarkt und nur "ein mögliches" Risiko für Herzinfarkt. "Möglich" ist eine sehr schwache Evidenzstufe, "ein mögliches Risiko", nach so vielen Jahrzehnten der Forschung schon fast ein Freispruch.

Und vor allem: Aus "einem möglichen Risiko" dürfen nach internationaler Konvention keine Ernährungsempfehlungen abgeleitet werden. Diese Wende war für Kenner der Szene kaum zu glauben. Schließlich waren die gesamten Ernährungsempfehlungen über Jahrzehnte darauf zugespitzt, die gesättigten Fettsäuren wegen ihres angeblichen Herz-Kreislauf-Risikos aus der Kost zu verbannen und statt dessen vor allem mehr Kohlenhydrate und etwas mehr ungesättigte Fettsäuren zu essen. Mit dem Anspruch, ihre Leitlinie evidenzbasiert zu erstellen, musste sich die DGE in Sachen Fett- und Herz-Kreislauf-Risiko entscheidend bewegen, denn die-schon lange vorhandene-Datenlage zwang dazu. Doch was nützt das alles, wenn die Verbraucher darüber bis heute wenig erfahren. Auf eine Aufklärung über die veränderte Bewertung der gesättigten Fettsäuren wartet man bis heute vergeblich. Die Verbraucher erfahren aber auch nichts darüber, wie das Urteil der DGE über die jahrzehntelang hochgejubelten "besonders wertvollen" pflanzlichen mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren ausfiel. Nur, wer die Leitlinie liest, entdeckt, dass es keine überzeugenden Beweise für diese Einschätzung gibt. Ja, es ist nicht einmal wahrscheinlich, dass diese Fette das Risiko für Herz- und Hirninfarkt senken. Die Fleischbranche leidet jahrzehntelang unter dem Dogma "Fette machen krank" und daher sollte man es möglichst meiden. Dass diese Meinungsbildung verändert werden muss, ist unter Fachleuten unbestritten.

Wie schon in der HAGESÜD POST Nr. 81 dargestellt, vertreten Dr. Worm und Ulrike Gonder die Meinung, dass die Fette zu unrecht am Pranger stehen und es nachweislich viele positive Argumente gibt, auf die Ernährung mit Fett nicht zu verzichten. Es wäre deshalb empfehlenswert, wenn jeder in unserer Branche seinen Beitrag dazu leistet (eigene Mitarbeiter, Ärzte, Ernährungsexperten, Schulen, Kindergärten, Betriebskantinen eingeschlossen), um vorhandene Vorurteile zu revidieren.

 

Quelle: H A G E S Ü D P O S T

 

Warum Fett lebensnotwendig ist

Fette enthalten viele lebenswichtige Nährstoffe, die vielerlei Aufgaben im Körper haben. So werden Gewebshormone aus Fetten aufgebaut. Diese sind entscheidend für die Regulation des Blutdrucks, wirken entzündungs- und gerinnungshemmend. Fett ist auch ein sehr wichtiger Energielieferant. Zwar hat 1 Gramm Fett 9 kcal, 1 g Kohlenhydrate nur 4 kcal. Dennoch hat es sich als Trugschluss herausgestellt, dass Fett deshalb fett macht. Mit mehr Fett sind wir satter und zufriedener.

Zusammensetzung von Schweinefett:

Gesättigte Fettsäuren 40-50%
Einfach ungesättigte Fettsäuren (v.a. Ölsäure) 35-45%
Linolsäure (Omega-6) 5-10%
Arachidonsäure (Omega-6) ca. 1,5%
Alpha-Linolensäure (Omega-3) ca. 1%
Langkettige Omega-3-Fettsäuren <0,1% Fettbegleitstoffe
Cholesterin (60-85 mg), etwas Vitamin E <0,1%

Dr. Nicolai Worm:
Ernährungswissenschaftler, Autor von zahlreichen Fachpublikationen wie z. B. "Täglich Fleisch", "Diätlos glücklich", "Täglich Wein", "Nie wieder Diät", "Syndrom X oder ein Mammut auf dem Teller" und neu: "Glücklich und schlank-die neue LOGI-Methode".

Mit-Autorin: Ulrike Gonder, Ernährungswissenschaftlerin und Wissenschaftsjournalistin, Referentin und Buchautorin. Seit Jahren tritt sie für die Rehabilitation der Fette ein.

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