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Unverträglichkeit auf Lebensmittel

Lebensmittelallergien finden in der Öffentlichkeit ein breites Interesse. 20 - 25 % aller Erwachsenen glauben, unter einer Lebensmittelallergie zu leiden. Aus der nachstehenden Abbildung ist zu entnehmen, dass viele als Lebensmittelallergie bezeichnete Symptome keine echten Allergien, sondern lediglich Unverträglichkeiten auf Lebensmittel sind.

Experten gehen davon aus, dass nur bei 1 - 2 % der Bevölkerung tatsächlich eine Lebensmittelallergie vorliegt.

Die oben genannte unterschiedliche Einschätzung ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Unverträglichkeitsreaktionen auf Lebensmittel und ungeklärte Symptome fälschlicherweise sehr häufig als Allergie bezeichnet werden, ohne dass eine zuverlässige ärztliche oder ernährungstherapeutische Untersuchung durchgeführt wurde.

Betroffene, bei denen eine Lebensmittelallergie festgestellt wird, fühlen sich häufig mit dieser Diagnose allein gelassen.

Was ist eine Allergie?

Medizinisch gesehen ist eine Allergie eine krankmachende Überreaktion des körpereigenen Immunsystems auf die Aufnahme sonst harmloser körperfremder Substanzen.

Was passiert im Körper bei einer allergischen Reaktion?

Der menschliche Organismus ist ständig einer Vielzahl von Reizen ausgesetzt. So werden in der Atemluft und in der Nahrung permanent die unterschiedlichsten körperfremden Substanzen aufgenommen und in das Körperinnere transportiert. Der Körper und seine Organe müssen dann unterscheiden, ob es sich um harmlose oder bedrohliche Substanzen handelt. Lebensnotwendige Stoffe (z. B. Sauerstoff, Nährstoffe) müssen dem Körper zur Verfügung gestellt werden, Krankheitserreger (z. B. Viren, Bakterien) und andere schädliche Substanzen müssen möglichst schnell unschädlich gemacht werden. Diese Reaktionen laufen ständig in unserem Körper ab, ohne dass wir davon etwas bemerken.

Bei Allergikern ist dieses komplizierte Zusammenspiel der Immunzellen jedoch gestört.

Die Immunzellen bilden Abwehrstoffe gegen alle möglichen an sich ungefährlichen Substanzen wie Pollen, Tierhaare oder Bestandteile der Nahrung.

Beim ersten Kontakt des Körpers mit einer Allergie auslösenden Substanz (Antigen) bilden die Immunzellen spezifische Eiweißstoffe (Antikörper), die genau an die Struktur des Antigens angepasst sind (Schlüssel-Schloss-Prinzip). Ein solcher Antikörper ist z.B. das in der Grafik genannte Immunglobulin E (abgekürzt 1gE), welches für die meisten Lebensmittelallergien zuständig ist. Dieser erste Kontakt mit einem Allergen verläuft immer ohne Symptome.

Bei weiteren Kontakten mit dem betreffenden Allergen wird es von den Immunzellen erkannt und als schädlich eingestuft. Die Abwehrzellen werden daraufhin aktiv und setzen Botenstoffe (z.B. Histamin) frei, die dann die allergischen Symptome wie Niesen, Schnupfen, tränende Augen, Schwellungen, Hautrötungen oder Magendarm-Beschwerden auslösen.

Diese allergischen Reaktionen müssen jedoch nicht unbedingt beim zweiten Kontakt mit dem Allergen auftreten. Unter Umständen kann es Jahre dauern, bis sich eine Allergie bemerkbar macht. Beim wiederholten Kontakt können dann allerdings geringste Mengen des Allergens zu Reaktionen führen.

Gibt es immer mehr Allergien?

Obwohl es keine repräsentativen Erhebungen über die Häufigkeit von Allergien gibt, gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Allergien in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat.

Vor allem wird aber eine Zunahme der Häufigkeit von Pollenallergien beobachtet.

Mögliche Gründe für die Zunahme sind:

  • Veränderte Umwelteinflüsse
  • Tabakrauch
  • Ein verringertes Training des frühkindlichen Immunsystems (z.B. seltene Infektionen, übertriebene Hygiene)
  • Der Verzicht auf das Stillen bzw. das zu frühe Abstillen verbunden mit der verfrühten Gabe von artfremdem Eiweiß.
     

Mögliche Ursachen für Lebensmittelallergien

Die Ursachen für Unverträglichkeitsreaktionen liegen nicht in der Qualität der Lebensmittel begründet, sondern sind - wie oben näher ausgeführt - eine individuelle Überreaktion bei entsprechend veranlagten Personen.

Allergieauslöser sind natürliche Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, hauptsächlich Proteine (Eiweiße) und Glykoproteine (an Kohlenhydrate gebundene Proteine). Allergische Reaktionen auf Kohlenhydrate oder Fette wurden bisher nicht nachgewiesen.

Die häufigsten Auslöser von Lebensmittelallergien in Deutschland sind Eiweißverbindungen, die in Obst und Gemüse, Nüssen, Gewürzen, Fisch und Meeresfrüchten, Getreide, Kuhmilch und Hühnerei enthalten sind. Im Kindesalter richten sich die Reaktionen vornehmlich gegen Lebensmittel tierischen Ursprungs, jedoch auch gegen pflanzliche Lebensmittel wie Soja, Weizen, Baum- und Erdnüsse.

Bei Erwachsenen stehen eher pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Obst im Vordergrund. Im Erwachsenenalter bleiben Lebensmittelallergien in der Regel lebenslang bestehen. Bei Kindern treten Lebensmittelallergien vor allem in den ersten drei Lebensjahren auf und verschwinden meistens bis zur Einschulung wieder.

Lebensmittelintoleranzen

Lebensmittelintoleranzen sind Unverträglichkeitsreaktionen gegen Lebensmittel, die ohne Beteiligung des Immunsystems verlaufen.

Von der Häufigkeit her gesehen sind die Pseudoallergien und die Intoleranzen aufgrund von Enzymdefekten von größerer Bedeutung.

Pseudoallergien

Hierbei handelt es sich um Reaktionen auf Lebensmittel, bei denen bestimmte Zellen des Körpers Botenstoffe ausscheiden, ohne dass spezifische Antikörper nachweisbar sind. Diese Botenstoffe lösen ähnliche Symptome wie bei einer allergischen Reaktion aus.

Grundsätzlich kann die ganze Bandbreite der allergischen Symptome auftreten, im Vordergrund stehen aber Hautreaktionen (Nesselsucht), Schleimhautschwellungen und bronchiale Symptome.

In der Regel verschwinden pseudoallergische Reaktionen nach kurzer Zeit wieder, weshalb man auch von Spontanheilungen spricht. Anders als bei einer Lebensmittelallergie können diese Symptome bereits beim ersten Kontakt mit dem Auslöser auftreten.

Auslöser können natürliche Substanzen in Obst und Gemüsearten und biogene Amine (Hefeextrakt, Sauerkraut, Hartkäse, Salami, Thunfisch, Schokolade) sowie bestimmte Zusatzstoffe sein.

Biogene Amine sind Substanzen, die im Stoffwechsel von Mokroorganismen, Pflanzen, Tieren und Menschen über enzymatische Reaktionen aus Aminosäuren entstehen (z.B. Histamin).

Lebensmittelzusatzstoffe

Diese werden zu Unrecht besonders häufig verdächtigt, eine allergische Reaktion auszulösen oder zu verstärken. Wissenschaftliche Studien belegen jedoch, dass in der Regel nur einer von 10.000 Allergikern überempfindlich auf Zusatzstoffe reagiert.

Da Lebensmittel meist vielfältig, also komplex zusammengesetzt sind, werden Unverträglichkeitsreaktionen gelegentlich auf Zusatzstoffe zurückgeführt, obwohl sie nicht die wahre Ursache sind. Zusatzstoffe sind keine Eiweißverbindungen, so dass Antikörperreaktionen auf Zusatzstoffe nicht möglich sind.

Nur wenige Zusatzstoffe (z.B. Sulfite, einige Farb- und Konservierungsstoffe) können pseudoallergische Reaktionen auslösen.

Während bei einer Lebensmittelallergie bereits geringste Mengen des Auslösers zu Symptomen führen können, kommt es bei Pseudoallergien meistens erst beim Verzehr größerer Mengen bzw. bestimmter Kombinationen (z.B. Rotwein und Thunfisch) bei entsprechend empfindlichen Personen zu einer Reaktion.

Pseudoallergien sind nur durch eine auf den einzelnen Patienten diagnostische Diät nachweisbar. Aufgrund der fehlenden Immunreaktion sind Haut und Bluttests zur Diagnosestellung nicht geeignet. Nur eine pseudoallergenarme Diät über 3 -4 Wochen mit anschließendem Provokationstest der verdächtigen Allergene kann hier Gewissheit geben.

Enzymdefekte

Verschiedene Lebensmittelunverträglichkeiten sind auf ein Enzymdefekt zurückzuführen. Am weitesten verbreitet ist die Lactoseintoleranz, die fälschlicherweise sehr häufig als Milchallergie bezeichnet wird.

Die Lactoseintoleranz ist eine Störung der Verwertung von Lactose (Milchzucker). Sie wird durch einen meist erblich bedingten Mangel an Lactase, einem Enzym der Dünndarmschleimhaut, ausgelöst.

Zöliakie/Sprue

Die Zöliakie oder Sprue ist eine Erkrankung der Darmschleimhaut, die durch eine erblich bedingte Unverträglichkeit auf Gluten, eine Eiweißverbindung in verschiedenen Getreidearten, wie Weizen, Roggen, Dinkel, Hafer verursacht wird.

Obwohl bei dieser Erkrankung manchmal Antikörper im Blut nachweisbar sind, handelt es sich nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand nicht um eine Allergie. Die Therapie der Zöliakie besteht darin, alle Getreidearten, die Gluten enthalten, zu meiden.

Neurodermitis

Eine weitere Erkrankung, bei der Lebensmittel eine Rolle spielen können, ist die Neurodermitis.

Dabei handelt es sich um eine chronische, stark juckende, entzündliche Hauterkrankung, die hauptsächlich im Säuglings- und Kleinkindalter auftritt. Schätzungsweise jedes zehnte Kind im Vorschulalter ist betroffen.

Neben genetischen Faktoren spielen unter anderem Umweltfaktoren, psychische Belastungen, Infekte und Allergene eine Rolle.

Etwa ein Drittel der neurodermitiskranken Kinder reagieren auf Lebensmittel. Die Mehrzahl (60-80%) verliert in den ersten Lebensjahren sowohl die Neurodermitis als auch die in dieser Zeit auftretenden Lebensmittelallergien.

Mit fortschreitendem Alter steigt bei Neurodermitikern aber die Anfälligkeit gegenüber Pollen.

 

 

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