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Der Weg der Nahrung durch den Körper

Frühstück, Mittag- oder Abendessen - alle Lebensmittel durchqueren von der Aufnahme bis zur Ausscheidung einen etwa acht Meter langen Weg durch das Verdauungssystem unseres Körpers. Im Laufe eines Lebens hat dieses durchschnittlich 40.000 Liter flüssige und 25.000 Kilogramm feste Nahrung zu bewältigen. Die Verdauung der Nahrung findet hauptsächlich in Mund, Magen und Darm statt - aufgenommen werden die Nährstoffe allerdings fast nur im Dünndarm.

Mund - gut gekaut ist halb verdaut

Die Verdauung beginnt bereits in de Mundhöhle mit dem Zerlegen der Nahrung durch die Zähne. Ihre unterschiedliche Form erlaubt die Zerkleinerung verschiedenster Lebensmittel. Während die Mahlzähne vorwiegend pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse zermahlen, zerkleinern die schärferen Schneidezähne auch zähes Fleisch. Gute Kauen vergrößert die Oberfläche der Nahrung macht sie dadurch leichter verdaulich und vermischt die Nahrung mit Speichel. Etwa 1,5 Liter der enzymreichen Flüssigkeit produzieren die Speicheldrüsen pro Tag. Speichel enthält das Enzym Alpha Amylase, das die Aufspaltung komplexe Kohlenhydrate einleitet. Brot schmeckt daher nach längerem Kauen süß. Ist die Nahrung genügend zerkaut und mit Speichel vermischt, formt die Zunge einen schluckfähigen Bissen. Der nachfolgende Schluckakt stellt einen komplizierten Reflex dar, der mithilfe von 20 aufeinander abgestimmten Muskeln abläuft. Die Speiseröhre dient als Transportweg zwischen Mund und Magen und ist ein etwa 25 Zentimeter langer Muskelschlauch, in dem keine Verdauungsvorgänge stattfinden.

Magen: saurer Auffangbehälter für die Nahrung

Der Magen, der sich gut als sackartige Erweiterung des Verdauungskanals beschreiben lässt, hat ein Fassungsvermögen von bis zu zwei Litern. Durch die Anordnung der Muskelfasern kann sich die Magengröße der jeweiligen Füllmenge anpassen. Der Nahrungsbrei wird ständig mit dem Magensaft durchmischt und zum Magenausgang weitergeleitet. Etwa zwei Liter Magensaft bilden die Magendrüsen täglich. Die beiden Hauptbestandteile des Magensafts - die Salzsäure und das Enzym Pepsin - dienen der Aufspaltung von Eiweißen in der Nahrung. Salzsäure denaturiert das Eiweiß, sodass es für eiweißspaltende Enzyme wie das Pepsin leichter angreifbar wird. Weiterhin wirkt die Salzsäure als Desinfektionsmittel gegen eventuell mit der Nahrung aufgenommene Bakterien und Viren. Die Magenschleimhaut wird durch den Magenschleim vor dem Angriff der Salzsäure geschützt. Im Magen erfolgt noch keine Aufnahme von Nährstoffen. Der Magenpförtner gibt den Mageninhalt portionsweise in den sich anschließenden Dünndarm ab. Mit welcher Geschwindigkeit sich der Magen entleert, hängt von der Zusammensetzung der Nahrung ab. Die Magenverweildauer schwankt zwischen zwei und sieben Stunden - kohlenhydratreiche Speisen wie z. B. Kartoffelpüree verweilen nur sehr kurz, während fettreiche Speisen, beispielsweise ein Gänsebraten, nur sehr langsam den Magen passieren.

Dünndarm: Aufspalten und Aufnehmen

Der Dünndarm ist mit etwa vier bis sieben Metern der längste und wichtigste Abschnitt des Verdauungstraktes. Die etwa sieben Liter Verdauungssäfte, die im Laufe eines Tages in den Verdauungstrakt gelangen, werden im Dünndarm überwiegend durch die Schleimhaut ins Blut zurückresorbiert. Aufgrund der unzähligen Auffaltungen zu Darmzotten ist die Oberfläche der Dünndarmschleimhaut

600-fach vergrößert. Insgesamt misst sie etwa 200 Quadratmeter. Durch mehrere Bewegungsarten des Darms wird der Nahrungsbrei mit den Verdauungssäften kräftig durchmischt und in durchschnittlich sechs bis zehn Stunden durch den Dünndarm befördert. Die Hauptnahrungsbestandteile - Fette, Proteine und Kohlenhydrate - werden während dieser Zeit endgültig in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt. Das Blut oder die Lymphe transportiert die Nährstoffe vom Dünndarm aus zu den Organen, wo sie als Energielieferanten und Materialien zum Zellaufbau dienen. Für die Zerlegung der Nährstoffe werden Gallen- und Bauchspeicheldrüsensaft benötigt. Die Bauchspeicheldrüse bildet pro Tag etwa 1,5 Liter Sekret. Dieses enthält zahlreiche Enzyme, die für die endgültige Spaltung sowohl der Eiweiße (Trypsin, Chymotrypsin, Carboxypeptidase A und B) als auch der Kohlenhydrate (Alpha-Amylase) und Fette (Lipase) notwendig sind. In der Leber werden pro Tag etwa 0,5 Liter Gallenflüssigkeit gebildet, die über den Gallengang in den Dünndarm abgegeben wird. Diese Flüssigkeit enthält Gallensäuren, Cholesterin und Lecithin. Die Gallensäuren und das Lecithin wirken als Emulgatoren, d.h. sie können Fett in kleinste Tröpfchen auftrennen und in einer wässrigen Lösung verteilen. So können die Fette von der Lipase schneller aufgespalten und von der Schleimhaut besser aufgenommen werden. Aber auch in der Schleimhaut selbst befinden sich verschiedene Enzyme, die unterschiedliche Nährstoffe aufspalten.

Dickdarm: Eindicken und Endstation

Dickdarm und Mastdarm bilden die letzte Stufe der Verdauung - zusammen sind sie etwa 1,5 Meter lang. Da bis hierhin Verdauung und Aufnahme der Nährstoffe bereits abgeschlossen sind, besteht die Aufgabe des Dickdarms vor allem darin, Wasser- und Natriumverluste möglichst gering zu halten. Der Darminhalt wird auf eine Ausscheidungsmenge von etwa 150 bis 200 Milliliter Flüssigkeit pro

Tag eingedickt und nach Speicherung im Mastdarm als Stuhl über den After ausgeschieden. Der Dickdarm ist mit über 400 Arten von Bakterien besiedelt. Diese bauen die für den Menschen unverdaulichen Nahrungsreste durch Gärungs- und Fäulnisvorgänge weiter ab. Insgesamt erreichen die Bakterien eine Masse von bis zu 1,5 Kilogramm. Diese Mikroorganismen, auch Darmflora genannt, spielen unter anderem eine wichtige Rolle bei den Abwehrmechanismen des Körpers, indem sie das Eindringen unerwünschter Keime verhindern bzw. erschweren.

Verdauungsfördernde Lebensmittel

Eine ausgewogene Ernährung ist die Grundvoraussetzung für einen ungestörten Ablauf der Verdauung. Einige Lebensmittel, bzw. deren Inhaltsstoffe können zudem verdauungsfördernde Eigenschaften entfalten:

Ballaststoffe sind Bestandteile pflanzlicher Lebensmittel, die von den Verdauungssäften nicht abgebaut werden können. Aufgrund ihrer Quellfähigkeit erhöhen sie das Stuhlvolumen und bewirken ein schnelles Sättigungsgefühl. Außerdem können sie die Passage des Nahrungsbreis durch den Dickdarm beschleunigen. Empfohlen wird eine tägliche Aufnahme von mindestens 30 Gramm. Zu den wichtigsten Ballaststofflieferanten gehören neben Vollkornprodukten auch Obst (z.B. Beerenobst), Gemüse (z.B. Möhren) und Hülsenfrüchte. Zu beachten ist, dass Ballaststoffe genügend Flüssigkeit benötigen, um ihr Quellvermögen zu entfalten.

Für die Verdauungstätigkeit benötigt der Darm ausreichend Flüssigkeit. Täglich sollten etwa 1,5 Liter bis zwei Liter getrunken werden. Zum Ausgleich der Flüssigkeitsbilanz eignen sich folgende Durstlöscher am besten: Mineralwasser, Früchte- oder Kräutertees sowie verdünnte Obst- oder Gemüsesäfte.

Auch Sauermilchprodukte wie Molke, Kefir, Buttermilch und Joghurt sind leicht bekömmlich und die enthaltene Milchsäure unterstützt die Darmfunktion.

Pro- und Prebiotika sind beispielsweise in Milchprodukten enthalten. Dabei handelt es sich um zugesetzte Bakterienstämme (Probiotika) bzw. unverdauliche Nahrungsbestandteile, z.B. Oligofructose (Prebiotika). Beide Zusätze sollen bewirken, dass sich speziell die gesundheitsfördernden Keime im Dickdarm vermehren und das Wachstum unerwünschter Keime unterdrücken.

Quelle: F O O D - S C H O O L & L I F E 3/2008

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